Rover in Newcastle

 

Dass wir, die Roverrunde des Stammes E.v.T, im Sommer 2009 ein eigenes Sommerlager auf die Beine stellen wollten, war uns früh klar. Also suchten wir bereits Anfang des Jahres nach geeigneten Zielen. Unsere Wahl viel letztendlich auf einen 14 tätigen Hike durch Schweden mit der Hauptstadt Stockholm als Ziel. Allerdings standen wir nun vor dem Problem, nur einen Leiter als Begleitung zu haben, und ein weiterer ließ sich nicht finden. Das Unternehmen drohte zu scheitern.

Da kam ein Angebot aus dem Süden Gelsenkirchens gerade Recht: Zwei Wochen Sommerlager im Norden Englands, unweit der Stadt Newcastle upon Tyne, mit den Pfadfindern des Stammes Weiße Rose aus Gelsenkirchen-Ückendorf. Das Lager war als Teil der Pfadfinderaktion „Move to 10“ geplant, und sollte Begegnungen mit Pfadfindern vor Ort beinhalten. Als uns endgültig klar wurde, dass ein eigenes Lager mit nur einem Leiter nicht zu realisieren war, sagten wir zu.

Nach ein wenig Vorbereitung und Kennenlerntreffen mit der Roverrunde von Weiße Rose ging es am 2. August mit dem Bus endlich los in Richtung England. Nach Verlassen des europäischen Festlandes und 14 Stunden Fahrt, kamen wir um 5 Uhr Morgens, am Dilston Scoutcamp in Hexham, ca. 30km westlich von Newcastle gelegen, an. Da wir viel zu früh dran waren, gab es erst einmal Frühstück und Aufwärmspiele auf dem Parkplatz des Camps. Gegen Acht Uhr wurde dann damit begonnen das Lager aufzuschlagen, was bereits nach ein paar Stunden erledigt war. Nun hatten wir Zeit ein bisschen die Gegend zu erkunden, insbesondere den Bach „Devils Water“, der direkt am Zeltplatz vorbeifloss. Nach dem ersten erholsamen Lagerfeuer ging es früh ins Bett um am nächsten Morgen wieder fit zu sein, denn…

bereits am zweiten Tag hatten wir ein Treffen mit dem Bürgermeister von Newcastle im Rathaus der Stadt! Als wir ankamen bemerkten wir sofort die für uns gehissten Deutschlandflaggen und wurden vom Bürgermeister uns seiner Frau im Foyer empfangen. Nach den obligatorischen Fotos wurden erst einmal Präsente ausgetauscht. Danach führte uns der „Lord Mayor“ durch das Rathaus wo es anschließend Fingerfood gab. Dabei erzählte er viel über die Stadt und seine Geschichte, und berichtete auch von seinem Treffen mit Frank Baranowski einige Wochen zuvor.

Die folgenden Tage wurden dazu genutzt sich in Dilston einzuleben und sich mit den anderen Pfadfindergruppen auf dem Platz vertraut zu machen. So durfte ein Fussballmatch Schottland gegen Deutschland natürlich nicht fehlen, das wir am Ende mit 1:0 gewannen!

Ein Highlight des Lagers war das gemeinsame Campfire mit ebendiesen Schotten, bei dem wir uns gegenseitig neue Spiele und Sitten am Lagerfeuer beibringen konnten. Nachdem die Kleinsten im Bett waren gab es noch einen sehr interessanten Austausch, über ihr Verhältnis zur Pfadfinderei, die kleinen Unterschiede und großen Gemeinsamkeiten, sowie Anekdoten und Geschichten aus unserem Leben als Pfadfinder. Die meisten von uns hätten die ganze Nacht so weiterplaudern können.

Doch ein Höhepunkt jagte den nächsten: Bereits am Tag darauf absolvierten wir den B.P.-Walk. Dies ist gewissermaßen der erste „Hike“ des Gründers der Pfandfinderbewegung Baden-Powell zum ersten Pfadfinderzeltplatz der Welt, wo 1908 das Lager „Look Wide“ stattfand. Damals setze B.P., zusammen mit 30 Kindern aus allen sozialen Schichten, seine pädagogischen Ideen zum ersten Mal in die Tat um. Bisher waren wir uns gar nicht bewusst, dass wir uns in einer Gegend befanden, die oft als „Wiege der Pfadfinderei“ bezeichnet wird.

Auf dem ca. 5km langen Fußmarsch wurden wir von vier Altpfadfindern begleitet, die diese Aktion vor über 20 Jahren ins Leben gerufen haben. Dabei erzählten sie uns die interessante Geschichte des ersten Lagers und besondere Details über den Gründer, die man so nirgends erhält. Heutzutage liegt der Lagerplatz mitten im Wald und es ist nur schwer vorstellbar, wie hier 100 Jahre zuvor ein Zeltlager stattfinden konnte.

Nach einem Gruppenfoto auf der alten Aussichtsplattform ging es auch wieder zurück. Für die meisten war es wohl ein sehr prägendes Erlebnis im Laufe ihres Pfadfinderlebens, das sie so schnell nicht wieder vergessen werden.

Am Samstag kam das worauf viel so lange gewartet hatten: Der Hike! Wir Rover hatten das Privileg, in Schottland zu hiken, und nahmen so gegen Mittag den Bus, der uns nach Edinburgh brachte. Das folgende selbstgedichtete Lied auf die Melodie von „König von Deutschland“ beschreibt ganz gut, was wir auf der Reise erlebten:

 

Hiken in Schottland

 

Die Planung lief erst nicht so rund

Kevin lief sich vorher seinen Fuß wund.

Der Zug war zu teuer, der Weg war zu weit,

wir sahen keine andere Möglichkeit.

Doch dann kramte Paul sein I-Phone raus

und suchte uns ein paar Busse aus.

Davon nahmen wir einen, machten uns auf die Reise, Edinburgh das Ziel und wir sagen leise:

 

Refrain:

Dass alles und noch viel mehr

haben wir getan, als wir Hiken in

Schottland war’n.

 

Samstagnacht als wir ’nen Schlafplatz brauchten

Suchten wir bis unsere Füße rauchten.

Und fanden Ryan, der ’nen Anruf machte

und uns zu ’nem wunderschönen Garten brachte.

Wir gingen dann zurück in die Stadt

und sahen, was Edinburgh zu bieten hat.

Dem Klöppel hat es dort sehr gut gefallen

und durfte allen Schotten in die Arme fallen.

 

Refrain

 

Am nächsten Tag ging es am Kanal entlang

Richtung Livingston, dachten es wär nicht lang.

Doch es wurde immer länger und hörte nicht auf und sogar die Sohlen an den Füßen gaben auf.

Am Nachtmittag hatten wir uns getrennt

der Weg verlangt Tribut, wenn man so rennt.

Doch abends waren wir wieder beieinander

auf ’nem Pfadfinderzeltplatz mit Bergfestcampfire.

 

Refrain

 

 

Die Nacht verbrachten wir im Tipi dann

und schliefen mehrere Stunden lang.

Wir wurden nass, das Zelt lief voll,

das fanden wir dann nicht so toll.

Gen Mittag wollten wir uns nach Livingston schicken

und so verließen wir das schöne Torxxx

Bathgate Roundabout und Apfelessen

und uns am Abend im Sockenriechen messen.

 

Refrain

 

Wir waren zu faul die Zelte aufzubauen

so haben wir uns einfach hingehauen.

Die Nacht war kurz, die Busfahrt lang

und kamen um halb zwei in Newcastle an.

Klöppel, Toto und Annika, Tobelix, Tobias, Melli, Christian,

dies sind Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.

Drum fangen wir wieder laut zu singen an:

 

Refrain

   

Die zweite Woche verging wie gewöhnlich im Flug. Nachdem wir am Dienstag singend wieder am Lagerplatz ankamen, rückte der Tag der Abreise immer näher. Mittwochs gab es eine Neuauflage von „Schlag die Leiter“ was bei Weiße Rose bereits Tradition hat. Dabei traten die Kinder in mehreren Disziplinen gegen die Leiter an. Der Wetteinsatz war ein typisch englisches Frühstück für den nächsten Morgen. Leider verloren die Kinder knapp gegen ihren Gegner.

Als kleines Dankeschön für die herzliche Aufnahme bereiteten wir als Gäste für alle anderen Pommes Currywurst zu. Also standen wir, während sich die anderen in der von den Pfadis vorbereiteten Lagerdisco vergnügten, den ganzen Abend in „Ellis Frittenschmiede“ hinter der „Fritteuse“ und versorgten alle mit dem Stückchen Heimat. Natürlich kam auch dabei der Spaß nicht zu kurz.

Den letzten wirklichen Tag begannen wir mit dem Wetteinsatz vom Vortag, also einem typisch englischem Frühstück. Nachdem alle Würstchen, Eier und Bohnen verdrückt waren, wurden wir in die Schule zitiert, um uns in Fächern wie Produktionstechnik, Türkisch, Italienisch, Medienerziehung und Klassikern wie Mathe oder Sport weiterzubilden. Die Leiter fungierten als Lehrer und natürlich durfte auch eine Prüfung am Ende nicht fehlen.

Danach begannen wir bereits mit den ersten Abbauarbeiten, so dass die kleineren am Abend zum Schlafen in die anliegende Hütte gingen. Bereits am frühen Freitag-Morgen wurden auch die letzten Zelte im Anhänger verstaut, eine Lagerhake durchgeführt und der Platz so hinterlassen wie wir ihn vorgefunden hatten. Gegen Mittag holte uns dann der Bus ab und es ging Richtung Heimat.

An dieser Stelle auch noch Mal ein herzliches Dankeschön an alle die mit waren, und uns aufgenommen haben, als wären wir schon immer dabei gewesen!

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